Erntedankfest-Bräuche im Vergleich

Das Erntedankfest ist eines der ältesten übermittelten Feste der Menschheit. Es ist ein religiöses Fest, bei dem traditionell den Göttern für die Ernte gedankt wird. Je nach Kultur und Religion gibt es unterschiedliche Erntedankfest-Bräuche.

In diesem Artikel gehen wir auf die Ursprünge des Erntedankfest sowie die verschiedenen Erntedankfest-Bräuche im Judentum, dem Islam und dem Christentum ein. Ihr erfahrt wie sich, die oftmals mit dem Erntedankfest verwechselten, amerikanischen Traditionen Halloween und Thanksgiving vom Erntedankfest unterscheiden.


Ursprünge des Erntedankfestes und seine Bräuche

Erntedank wird schon seit langer Zeit in vielen Kulturen gefeiert, daher lässt sich sein Ursprung keiner bestimmten Kultur zu ordnen.

Die alten Griechen und Ägypter bedankten sich bei ihren Fruchtbarkeitsgöttern für die Ernte. Zumeist wurde ein Tier geopfert sowie Obst und Getreide auf einen Opferaltar gelegt. Auf diese Weise sollten die Götter wohlgestimmt werden, damit sie auch für eine nächste reiche Ernte sorgten.

Bei den Germanen dauerte das Erntedankfest drei Tage. Sie gaben ein großes Festmahl und tranken Wein. Sie ließen ein Büschel Korn auf dem Feld übrig, damit auch das Pferd ihres Hauptgottes Odin etwas zu essen hatte. Aus dem letzten Kornschnitt wurde ein Kranz geflochten.
Im August wurde bei den Kelten das Kornfest und später, zur Tagundnachtgleiche (20. März und 23. September), das Weinfest gefeiert.

Bei den Römern wurde seit dem 3. Jahrhundert nach Christi viermal jährlich Erntedankfest gefeiert. Die Bräuche der römischen Herbstfeier wurden im chrsitlichen Ritus bis heute beibehalten.


Erntedankfest-Bräuche im Judentum

Im Judentum gibt es zwei Erntefeste, Schawuot und Sukkut. Das jüdische Erntedankfest Schawuot wird zur Zeit der Weizenernte in Israel (Mai/Juni) gefeiert. Später entwickelte sich das Schawuot zum Fest des Gesetzes, sodass heute der Moment, als Moses am Berg Sinai die Torah, die zehn Gebote Gottes empfing, im Vordergrund des Festes steht.

Das zweite jüdische Erntedankfest ist Sukkut, das Laubhüttenfest. Es wird 7 Tage lang im Herbst gefeiert. Dazu wird eine Laubhütte (Sukka) gebaut und mit Erntegaben geschmückt. Bei diesem Fest wird der herbstlichen Obst- und Weinlese gedacht. Traditionell wird zum Sukkut Milch getrunken sowie milchhaltige Speisen wie beispielsweise Eierkuchen mit Quark oder Käsekuchen gegessen. Dieser Brauch begründet sich in dem Vergleich der Torah mit Milch, die das Volk Israels wie ein unschuldiges Kind trinkt.


Erntedankfest-Bräuche im Islam

Das islamische Zuckerfest kann mit dem chrsitlichen Erntedankfest verglichen werden. Der Fastenmonat Ramadan wird mit dem 3-tägigen Zuckerfest, arabisch ʿĪd al-fitr (‏عيد الفطر‎), beendet.

Am ersten Morgen des Zuckerfestes besucht die gesamte Familie die Moschee, und es werden besondere Festtagsgebete zelebriert. Der restliche Tag dient Besuchen bei der Verwandtschaft. Es werden süße Gerichte und eine Menge Süßigkeiten gereicht, daher der Name “Zuckerfest”.

Traditionell wird vor dem Zuckerfest das gesamte Haus gründlich aufgeräumt und geputzt, und es wird neue, saubere Kleidung getragen. Viele Frauen verzieren ihre Hände mit Henna und Bedürftigen werden Geschenke gemacht.


Erntedankfest-Bräuche im Christentum

Im Christentum kann das Erntedankfest bis ins 3. Jahrhundert zurück verfolgt werden. In einem Gottesdienst wird der Dank für die reichen Gaben: Früchte, Getreide und Wein sowie den Erhalt des Lebens durch Gott zum Ausdruck gebracht.
Am 1. Sonntag im Oktober wird in katholischen Gemeinden der Altar mit den Erntegaben dekoriert. Nach den Gottesdiensten wird getanzt und gefeiert. Die letzte noch nicht eingeholte Getreidegarbe wird zu einer Puppe ausstaffiert, die als Opfergabe auf dem Feld bleibt oder für einen Ehrentanz zum Erntefest mitgenommen wird.

Es gibt meist Umzüge, bei denen die Erntekrone mitgeführt wird. Diese besteht aus einem Kranz mit vier aufwärts zur Mitte gebundenen Getreideähren oder Zweigen aus einem Weinstock, die mit Blumen und breiten, bunten Bändern, oft in den Landesfarben, verziert werden. Die Erntekrone wird bei Festzügen durch die Gemeinde auf einem Wagen oder LKW transportiert. In manchen Gemeinden werden Wettbewerbe ausgetragen, um die schönste Erntekrone und Erntekönigin zu küren.

Viele Gemeinden nehmen das Erntedankfest zum Anlass Spenden für bedürftige Menschen zu sammeln.


Erntedankfest-Bräuche in Deutschland

Die christlichen Traditionen haben in Deutschland bis heute Bestand. Einige nicht religiöse Bräuche haben ebenfalls überdauert. So werden in einigen Regionen riesige Puppen aus Strohballen an Ortseingängen errichtet und in Bergregionen die Kühe und Schafe beim Almabtrieb mit Blumen und Bändern geschmückt. Dabei tragen die Tiere große Glocken um den Hals, um auf dem Weg ins Dorf böse Geister zu vertreiben.

Die süddeutsche Martinsgans sowie das norddeutsche Kohlessen gehören auch 2015 noch zu den überlieferten Erntedankfest-Bräuchen. Auch die Kirmes (früher: Kirchmesse) geht auf christliches Erntedankfest zurüc. Selbst wenn dies heute kaum noch festzustellen ist. In einigen Regionen tritt anstelle des Erntedankfestes die Weinlese.

Auch das heute weitverbreitete Herbstfeuer ist ein Überbleibsel traditioneller Erntedankfest-Bräuche. Ursprünglich diente das “Erntefeuer” dazu Fruchtopfer darzureichen, indem Fruchtkörner und Garben auf das Feuer geworfen wurden. Dazu wurde ein Feuer auf dem Kartoffelacker entfacht, das gleichzeitig das Ende der Kartoffelernte ankündigte.


Unterschied Erntedankfest und Thanksgiving aus den USA

Der amerikanische Thanksgiving Day wird häufig mit dem Erntedankfest in Verbindung gebracht, hat aber nichts mit den Erntedankfest-Bräuchen zu tun. Während das Erntedankfest in Europa einen starken religiösen Bezug hat, geht es beim amerikanischen Thanksgiving vorrangig um das Gedenken an die Pilgerväter.

Am vierten Donnerstag im November werden die freien Tagen genutzt, um die gesamte Familie zusammenzuführen. Typischerweise wird am Thanksgiving Day gefüllter Truthahn, Süßkartoffeln und Kürbiskuchen gegessen.


Unterschied Erntedankfest und Halloween

Auch Halloween wird immer wieder gern mit den europäischen Erntedankfest-Bräuchen verwechselt. Der Brauch des Halloween, von All Hallow’s Eve, stammt ursprünglich aus dem katholischen Irland. Der genaue Ursprung des Festes ist umstritten. Es gibt eine Herleitung von keltischen Bräuchen sowie eine christliche Herleitung, wobei letztere als wahrscheinlicher gilt.

Demnach sei All Hallow’s Eve aus dem kirchlichen Hochfest Allerheiligen entstanden, bei dem der Seelen im Fegefeuer gedacht wird. Die irischen Einwanderer in den USA bauten den All Hallow’s Eve-Brauch weiter aus, sodass daraus das heute bekannte Halloween wurde. Gefeiert wird in der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November.


Erntedankfest – kulinarisch

Damit auch Sie das Erntedankfest 2015 richtig genießen können, haben wir Ihnen ein klassisches Kürbissuppen-Rezept zusammengestellt: Hokkaidosuppe

Der Hokkaido-Kürbis stammt zwar ursprünglich aus Japan, wird aber bereits seit längerer Zeit auch hierzulande angebaut und erfreut sich größter Beliebtheit.


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