Karotten verkürzen Leben dramatisch?!

Seit 28. Februar ist die Vitamin-Welt wieder in Aufruhr. Der Grund: die Veröffentlichung einer neuen Metastudie der Universität Kopenhagen in der renommierten Fachzeitschrift JAMA (297, 2007, 842).

Die Dänen werteten 47 von 68 Studien zu den Vorteilen der Vitamine A, E, C, beta-Carotin (Vitamin A-Vorstufe) und Selen – zusammen bekannt als Antioxidantien – aus. Die Dänen kamen zum Schluss, dass eine Gabe von Vitamin C offenbar nichts bringe, während die fettlöslichen Vitamine A, Beta-Carotin und E die Sterblichkeit sogar erhöhen würden. Nur bei der Gabe von Selen konnten positive Effekte nachgewiesen werden.

Nun gilt es aber schön vorsichtig mit Zahlenmaterial zu sein und nicht leichtfertig falsche Schlussfolgerungen ziehen. Vor allem sollte man nicht auf Basis veralteter Studienergebnissen pauschalisieren. Da die Presse es nicht tut, übernehmen wir das kritische Hinterfragen:

  • Dass es sich bei den ausgewerteten Studien um ältere Studien mit hochdosierten, synthetischen Monosubstanzen (Vitamine A, E und Betacarotin) handelt, wird verschwiegen. Vor hoher Einzeldosierung dieser Vitamine warnen Experten der Orthomolekularen Medizin seit Jahren.
  • Der Schluss, dass es beim Einsatz von solchen Präparaten zu einer “Unterversorgung” mit freien Radikalen im Körper kommen könne, ist völlig an den Haaren herbeigezogen und entbehrt jeglicher Grundlage. Jeder, der selber mit fettlöslichen Vitaminen, aber auch z.B. mit Fettsäuren (z.B. Omega-3-Fettsäuren) arbeitet weiß, dass diese Substanzen hochempfindlich und aggressiv reagieren können (Oxidation). Gelingt es nicht diese unerwünschte Oxidation zu verhindern, können diese nunmehr giftigen Substanzen Schaden im Körper anrichten (z.B. Betacarotin bei Rauchern erhöht offenbar geringfügig das Lungenkrebsrisiko).
  • Die Natur zeigt uns da mal wieder, was wir zu tun haben. Natürliches Vitamin E oder natürliche Betacarotinoide bestehen aus unterschiedlichen Substanzkomplexen, die sich offenbar gegenseitig schützen und regenerieren können. Das ist der Grund, warum heute in der modernen Mikronährstoffmedizin nicht mehr mit Monosubstanzen (schon gar nicht synthetischen) gearbeitet wird. Stattdessen mit ausgewogenen, wann immer möglich, naturbelassenen Komplexen.
  • Auch eine hochdosierte, nicht individualisierte Gabe (Gießkannenprinzip) von Selen, Zink, Kalium, Eisen etc. wird ähnliche Erkenntnisse aufzeigen. Was nicht heißt, dass entsprechende Defizite nicht auch zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen werden. Entscheidend sind: die richtige Auswahl der Grundsubstanzen und Grundkomplexe, die sorgfältige Verarbeitung und die richtige Dosierung nach dem individuellen Bedarf.

Schließlich kommt auch keiner auf den Gedanken, weil Karotten so gesund sein sollen, nur noch Karotten zu essen (in England hat das mal jemand tatsächlich versucht und ist nach wenigen Wochen daran gestorben. Die Schlagzeile wäre dann wohl: “Achtung: Karotten verkürzen die Lebenszeit ganz erheblich”).karotte

Kritisch zur dänischen Schlußfolgerung äußert sich Dr. Ann Walker. Vor allem, da die Grundlage einiger der einbezogenen Studien die Daten bereits ernsthaft erkrankte Patientendaten bildeten:

“How sensible scientists can suggest that a modest intervention of a single antioxidant supplement, can have a major effect in reversing life-threatening pathology, where patients already have advanced cardiovascular disease, is ridiculous. Vitamin, mineral and dietary supplements not only have proven health benefits, they are essential to the maintenance of good health and can help bridge the nutritional gap for many people in the UK whose diets are often lacking in essential nutrients.”

Wer lanciert wohl so einseitige Presseberichterstattungen alter Studien?
Warum wurde im Gegensatz z.B. die im renommierten Fachblatt The Lancet vor 1 Monat publizierte erfolgreiche (und aktuelle) Studie zu Folsäuren mit keinem Wort in der Presse erwähnt? (unter Gabe von 800 mcg Folsäure hat sich die Gehirn- und Gedächtnisleistung von 50-70jährigen (> 400 Pers.) gegenüber der Kontrollgruppe deutlich verbessert)

Der ausgewogene Einsatz von Mikronähstoffen (Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Aminosäuren, Flavonoide) als wertvoller Zusatz zu einer ausgewogenen, vitaminreichen Ernährung ist wissenschaftlich anerkannt. Und in vielen Fällen besser als die Strategie der Pharma-Riesen, mit fast unbezahlbaren Medikamenten, die Leidenszeit Schwerstkranker zu verlängern.


Einen Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>